Informationen zum Drachenboot-Sport
Das Tuen Ng (Drachenboot) entstammt dem chinesischen Volk und findet jedes
Jahr im Juni (Hongkong) statt. Es handelt sich hierbei um eine Feier zu Ehren
von Qu Yuan, einem Staatsmann und Poeten, der vor mehr als 2.000 Jahren während
der "Chu-Dynastie" gelebt hat. Nachdem Rivalen irrtümlicherweise Qu
Yuan des Verrats beschuldigt hatten, wurde er verbannt. Aus Verzweiflung
und Protest gegen die Regierung, stürzte sich Qu Yuan in den Mi Lo Fluss.
Die Drachenbootrennen während des Festes sind eine Neuinszenierung der
Versuche der Fischer Qu Yuan zu retten. Bis heute ist unklar, wie das eigentliche
Drachenboot zustande kam. Es wird jedoch angenommen, daß bei der Entwicklung
der Rennen über Jahre hinweg die Drachenbootköpfe hinzugefügt
wurden, um böse Wassergeister fernzuhalten.
Das Boot
Ein Drachenboot ist (ohne Kopf und Schwanz) 12,49 Meter lang und 1,16 Meter
breit. An der Spitze ist ein Drachenkopf befestigt, das Heck bildet ein Drachenschwanz.
Moderne Boote sind aus Kunststoffvariationen und wiegen etwa 250 Kilogramm,
klassische Bootstypen werden aus massivem Holz gefertigt und bringen fast
eine Tonne auf die Waage.
Wie kamen die Drachenboote nach Deutschland?
Wie sich aus dem rituellen Spektakel eine Sportart entwickelte, ist nicht
genau bekannt. Über Drachenbootfestivals in Asien, an denen einige europäische
Kanuten teilnahmen, wurde der Sport Ende der 80er Jahre auch in Deutschland
bekannt. Das erste Drachenbootrennen (ein Schaurennen bei der Kanu-WM) in
Deutschland fand 1987 in Duisburg-Wedau statt. 1989 wurde zum 800. Geburtstag
das Hamburger Hafens die erste Drachenbootregatta in Deutschland ausgetragen.
Nur ein Jahr später gründete sich der Deutsche Drachenboot Verband
e.V. (DDV), dem heute mehr als 80 Vereine angehören.
Wie funktioniert ein Drachenbootrennen?
Drachenbootrennen gehen über verschiedene Distanzen (250m Sprint, 300m
Kurzstrecke, 500m Standard, 640m International, 5000m Marathon). Hierfür
gibt es Richtlinien des IDBF über Mannschaftsstärke, Paddel und
Bootsgrößen. Es sind maximal 22 Paddler inkl. Trommler und Steuermann
erlaubt. Das Boot wird von 16-20 Paddlern, die paarweise auf Bänken
neben einander sitzen, mit Stechpaddeln vorwärts getrieben. Auf dem
Bug, entgegen der Fahrtrichtung, sitzt ein Trommler, der mit lauten Trommelschlägen
die Paddelfrequenz vorgibt. Am Heck steht ein Steuermann, der mit einem langen
Steuerpaddel die Richtung des Bootes bestimmt. Gepaddelt wird mit Stechpaddeln
aus Holz oder Kunststoff. Jeder Paddler setzt das Paddel nur auf einer Seite
ins Wasser.
Die Paddeltechnik
Entscheidend für den Erfolg eines Drachenbootteams ist nicht allein
die Muskelkraft der Paddler, sondern Rhythmus und Harmonie in der Zusammenarbeit.
Die Geschwindigkeit der Paddelschläge wird von den beiden Schlagleuten
in der 1. Reihe des Bootes vorgegeben, die nachfolgenden Paddler müssen
sich an ihren Rhythmus anpassen. Dabei werden die Paddler vom Trommler unterstützt,
der den Takt der Schlagleute aufnimmt und lautstark nach hinten weitergibt.
Eine ausgefeilte Paddeltechnik erfordert schon ein wenig Übung. Aber
auch Ungeübte haben die Chance durch Teamarbeit das Boot auf Touren
zu bekommen.
Das Paddel wird mit beiden Händen so gehalten, dass die zum Wasser zeigende
äußere Hand den Schaft am unteren Ende kurz über der Blattfläche
greift, während die innere Hand den Quergriff am oberen Schaftende umschließt.
Das Paddel wird möglichst weit vorn eingesetzt. Dazu wird der äußere
Arm gestreckt, der Oberkörper wird etwas nach vorne gebeugt und dabei
ein wenig aufgedreht. Auch der innere Arm sollte so weit gestreckt werden,
dass das Paddel senkrecht ins Wasser gestochen werden kann. Nach dem Einstechen
wird das Paddel kräftig bis zur Hüfte durchgezogen. Der Zug kommt
dabei im Wesentlichen aus der Drehung und dem Aufrichten des Oberkörpers,
während der äußere Arm weitgehend gestreckt bleibt. Die innere
Hand führt das Paddel und sorgt dafür, dass es senkrecht und parallel
zur Bootswand im Wasser bleibt.
Zum Ausheben des Paddels wird nach dem Durchziehen der äußere
Arm gebeugt und der Ellenbogen nach außen gehoben. Dadurch ergibt sich
eine leichte Drehung des Paddels, die bis zum erneuten Einstechen beibehalten
werden kann, um das Paddel möglichst flach über die Wasserfläche
zurückführen zu können und um den Windwiderstand zu vermindern.
Das Paddel wird nun flach über der Wasserfläche und möglichst
nah an der Bootswand wieder nach vorne geführt. Die innere Hand darf
dabei nicht absinken, da sonst das Paddel zu sehr nach außen gestellt
wird und auf diese Weise einen langen Weg gehen muss.
Die Boote werden bei Wettkämpfen meist vom Veranstalter gestellt, Paddel
sind i.d.R. individueller Besitz der Athleten.